Zur Geschichte der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte

(verfasst von Prof. Dr. med. Hans-Dieter Utermann)

Die Geschichte der Vereinigung Norddeutscher Augenärzte beginnt im Jahre 1913. Zu dieser Zeit existierten bereits zahlreiche andere regionale augenärztliche Vereinigungen, wie der Verein Rheinisch-Westfälischer Augenärzte (1899), die Berliner Augenärztliche Gesellschaft (1903), die Württembergische Augenärztliche Vereinigung (1904), die Vereinigung der Niedersächsischen Augenärzte (1905), die Vereinigung der Augenärzte der Provinz Sachsen, Anhalts und der Thüringer Lande (1907) und die Vereinigung Südwestdeutscher Augenärzte (1913).

Anfang 1913 gründeten Professor Dr. Franke (Hamburg), Dr. Gagzow (Lübeck), Professor Dr. Heine (Kiel), Professor Dr. Peters (Rostock) und Professor Dr. Roemer (Greifswald) eine Gesellschaft, die die Augenärzte der ”Hansestädte Hamburg und Lübeck sowie die der Provinzen Schleswig-Holstein, Mecklenburg und Neuvorpommern” umfassen sollte.

Professor Dr. Franke (1857-1925) leitete von 1913 bis 1921 die Augenabteilung des Allgemeinen Krankenhauses St. Georg in Hamburg. Davor war er bereits fast 25 Jahre leitender Arzt der von ihm eingerichteten Augenabteilung des Marienkrankenhauses in Hamburg. Dr. Gagzow (1867-1936) war niedergelassener Augenarzt in Lübeck und richtete außerdem eine Augenabteilung am Allgemeinen Krankenhaus (Krankenhaus Süd) ein. Professor Heine (1870-1940) leitete von 1907 bis 1935 die Universitäts-Augenklinik Kiel. Professor Peters (1862-1938) erhielt 1901 als Nachfolger Axenfelds den Ruf an die Universitäts-Augenklinik in Rostock, die er bis 1933 leitete. Professor Dr. Roemer (1873-1937) leitete von 1907 bis 1921 die Universitäts-Augenklinik Greifswald, folgte danach allerdings einem Ruf nach Bonn.

Ziel von diesen 5 Herren war es, jährlich einmal eine wissenschaftliche Sitzung zu veranstalten. Außer wissenschaftlichen Fragen sollten auf Wunsch auch wirtschaftliche Fragen besprochen werden. Als Jahresbeitrag wurde damals ein solcher von 3,00 DM festgesetzt. Der Sitzungsbericht sollte in den Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde erscheinen.

Unter dem Vorsitz von Professor Dr. E. Franke (Hamburg) fand die 1.Versammlung am 25. Oktober 1913 in Hamburg statt, und zwar im Großen Saal des Krankenhauses St. Georg.

Als Ort der nächsten Zusammenkunft wurde Rostock gewählt. Durch den Ersten Weltkrieg bedingt, konnte diese 2. Zusammenkunft jedoch erst im März 1922 erfolgen.

1926 und 1927 fanden gemeinsame Tagungen mit der Vereinigung der Niedersächsischen Augenärzte statt. Auf Antrag der Vereinigung der Niedersächsischen Augenärzte wurde 1927 die Verschmelzung dieser Vereinigung mit der Nordwestdeutschen unter Beibehaltung des Namens Vereinigung der Nordwestdeutschen Augenärzte beschlossen.

Besonders hervorzuheben in der Geschichte unserer Vereinigung ist die 11. Zusammenkunft am 15. Oktober 1934 in Hannover, die in Verbindung mit der 93. Tagung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte stattfand.

Seit 1938 werden auf Anregung von Professor Dr. Mylius Fortbildungs- und Übersichtsreferate gehalten. Seit Mitte der 60er Jahre stehen die Zusammenkünfte unserer Tagungen unter bestimmten Rahmenthemen.

Von Zeit zu Zeit sind auf den Tagungen auch wirtschaftliche, organisatorische und berufspolitische Fragen erörtert worden. 1928 wurde in einer Geschäftssittzung ein ”Wirtschaftlicher Ausschuss” gewählt. Dieser sollte die ”wirtschaftlichen Interessen” der in der Vereinigung zusammengeschlossenen Augenärzte vertreten und in engem Zusammenhang mit dem der Heidelberger Ophthalmologischen Gesellschaft frei angegliederten wirtschaftlichen Ausschuss arbeiten. Diese Aufgaben werden seit 1950 vom Berufsverband der Augenärzte und den einzelnen Landesgruppen wahrgenommen.

Die laufenden Geschäfte wurden in der ersten Zeit von einem am Ort der nächsten Tagung ansässigen ”Obmann” geführt. 1928 wurde beschlossen, bei weiter wechselndem Vorsitz und Tagungsort einen dauernden Schriftführer zu bestimmen. Gewählt wurde Dr. B. Agricola/ Hannover. Dieser sollte der Vereinigung und den Zusammenkünften das notwendige Profil geben.

Von 1935 bis 1968 war Professor Dr. A. Mylius (Hamburg) Schriftführer der Vereinigung.

Um eine gewisse Kontinuität zu gewährleisten, ergab es sich im Laufe der Zeit, analog der DOG, die Schriftführerfunktion immer dem Chefarzt der Augenabteilung des Allgemeinen Krankenhauses Hamburg-Barmbek zu übertragen. Daher war von 1969 bis 1991 Professor Dr. W. Papst Schriftführer der Vereinigung. Seit 1991 nimmt Professor Dr. D. v. Domarus diese Funktion wahr.

Die Vereinigung war bis 1991 ein lockerer Zusammenschluss der Augenärzte des nordwestdeutschen Gebietes. Infolge der Nachkriegsereignisse konnten jedoch -vor allem seit dem Mauerbau- die Augenärzte aus Ostdeutschland nicht mehr an den Tagungen teilnehmen. Diese gründeten deshalb im Rahmen der ”Gesellschaft für Klinische Medizin der DDR” Anfang der 60er Jahre -analog der DOG- die ”Gesellschaft der Augenärzte der DDR” mit Sitz in Berlin. Die Vorträge der jährlichen Tagungen wurden teilweise in den ”Folia Ophthalmologica” und in den ”Abhandlungen auf dem Gebiet der Augenheilkunde” publiziert.

Die obige Dachgesellschaft gliederte sich in 4 organisatorisch unabhängige regionale Gesellschaften, und zwar

1. Mecklenburgische Augenärztliche Gesellschaft für die Bezirke Neubrandenburg, Rostock und Schwerin.

2. Berliner Augenärztliche Gesellschaft für die Hauptstadt Berlin und die Bezirke Frankfurt, Magdeburg und Potsdam.

3. Sächsische Augenärztliche Gesellschaft für die Bezirke Cottbus, Dresden, Karl-Marx-Stadt und Leipzig.

4. Thüringische Augenärztliche Gesellschaft für die Bezirke Erfurt, Gera, Halle und Suhl.

Diese Regionalgesellschaften veranstalteten ebenfalls jährlich eigene wissenschaftliche Kongresse. Die Tagungen der Mecklenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft wurden von den Universitäten Rostock und Greifswald sowie der Medizinischen Akademie Magdeburg organisiert. Vorsitzende waren die jeweiligen Klinikdirektoren, die entsprechend ihren Arbeits- und Interessengebieten ein Rahmenthema wählten.

Nach der Wiedervereinigung entschieden sich Anfang 1991 bei einer Umfrage die Augenärzte in Mecklenburg-Vorpommern mehrheitlich für die Wiederaufnahme in die Vereinigung Nordwestdeutscher Augenärzte. Somit war der Vorkriegszustand wieder hergestellt.

Aus steuerrechtlichen Gründen wurde Ende 1990 unter Federführung von Professor Dr. Papst eine Satzung entworfen und der bisherige inoffizielle Zusammenschluss in einen eingetragenen Verein überführt. Die Eintragung in das Vereinsregister des Amtsgerichts Hamburg erfolgte im Februar 1991. Der Wirkungsbereich der Vereinigung erstreckt sich auf die Länder Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig Holstein. Auf der ersten Mitgliederversammlung wurde 1991 anlässlich der 42. Tagung der Vereinigung Nordwestdeutscher Augenärzte, in Hannover, Professor Dr. Rochels/Kiel zum Präsidenten gewählt.
Vizepräsident: Professor Dr. Franke/Greifswald.
Schriftführer: Professor Dr. v. Domarus/Hamburg.
Weitere Vorstandsmitglieder: Priv.-Doz. Dr. C. Eckardt/Kiel, Professor Dr. H.-J. Meyer/Osnabrück.
Im Jahre 1996 erfolgt nach mehrjähriger heftiger und kontroverser Diskussion eine Umbenennung der Vereinigung in:

Vereinigung Norddeutscher Augenärzte.

Gleichzeitig wurde die Durchführung von nun jährlichen Tagungen beschlossen.

Bei der Vorstandswahl 1997 in Bremen wurde Professor Laqua zum neuen Präsidenten gewählt.
Vizepräsident: Professor Dr. R. F. Guthoff
Schriftführer: Professor Dr. D. v. Domarus
Weitere Vorstandsmitglieder: Priv.-Doz. Dr. Engelmann sowie Dr. I. Pape.

Vom Jahr 2001 bis zum Jahr 2009 wird die Vereinigung vom folgenden Vorstand geführt:
Präsident: Professor Dr. R. F. Guthoff/Rostock
Vizepräsident: Privat-Dozent Dr. B. Wiechens/Hannover
Schriftführer: Professor Dr. D. von Domarus/Hamburg
Weitere Vorstandsmitglieder: Dr. I. Pape/Bremen, Dr. C.-D. Quentin/Göttingen.